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Empfehlungen : Von
Experten : Deutsche Hebammen Zeitschrift
Mit
freundlicher Genehmigung der Deutschen Hebammenzeitschrift
Gute Gründe für das Tragen
Kürzlich kursierte eine Pressemeldung des Deutschen Grünen
Kreuzes (DGK) über das Tragen von Kindern in Tragetüchern.
Darin wurde davon abgeraten, da die Kinder Schädigungen an
den Bandscheiben davontragen könnten. Falsche Aussagen dienten
dazu, diese Aussage zu untermauern.
Dies hat zu einer erheblichen Verunsicherung bei Eltern, Hebammen
und manchen ÄrztInnen geführt. Nach einer im Ton abfälligen
Bemerkung über das „Festgeschnürtsein“ wurde
behauptet, die Idee der Tragetücher sei in Afrika und Südamerika
entstanden, damit die Frauen die Hände für die Arbeit
frei hätten. Das ist schlicht falsch.
Das Tragen am Körper ist vielmehr die ursprüngliche Art
der Säuglingspflege in der Alten und Neuen Welt, in allen Kulturstufen,
sowohl bei heute noch auf einer Steinzeitkultur stehenden Menschen,
wie den Pygmäen, wie auch bei Hochkulturen. Es ist das „Verdienst“
der westlichen Welt, Kinder vom Körper der Mutter verbannt
und dadurch manchen gesundheitlichen Schäden ausgeliefert zu
haben.
Das menschliche Neugeborene ist im Gegensatz zum Geburtszustand
bei allen anderen hoch entwickelten Säugern, wie Pferden, Affen,
Elefanten völlig hilflos, ein „sekundärer Nesthocker“
oder eine „physiologische Frühgeburt“. Die Natur
verlangt daher den engen Körperkontakt zur Mutter, um die körperliche
und geistige Weiterentwicklung zu fördern. Speziell die Hüftgelenke
der Säuglinge sind vielfach zum Zeitpunkt der Geburt noch unreif
und können durch Missachtung der von der Natur verlangten Umweltbedingungen
für den Säugling noch nachträglich geschädigt
werden. Sie sind jedoch ideal für die Trageweise im Tuch oder
Tragebeutel konstruiert.
In der Pressemitteilung wird weiter behauptet, durch das Schuhwerk
und den festen Asphalt bei uns, im Gegensatz zum Barfußgang,
werde die Wirbelsäule des Kindes bei jedem Schritt gestaucht
und es könnten so dessen Bandscheiben Schaden leiden. Man solle
daher einen gut gefederten Kinderwagen nehmen.
Trotz Schuhen und Asphalt erfolgt jedoch durch die Gliederkette
der Gelenke und Wirbelsäule der Mutter ein gutes Abfedern für
das Kind, besser jedenfalls als bei jedem Kinderwagen! Das Tragen
am Körper ist aus guten Gründen zu empfehlen. Information
über die rechte Art des Transportierens am Körper ist
allerdings notwendig.
(Dr. med Ewald Fettweis, Facharzt für Orthopädie, Aachen/DHZ
3.11.05)
Entnommen aus Deutsche Hebammen Zeitschrift 12/2005 Seite 4
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